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Ulrike Kriener über ihre Rolle in „Nichts wie weg“
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Ulrike Kriener über ihre Rolle in „Nichts wie weg“

Viele kennen sie als „Kommissarin Lucas“. Im ZDF-Fernsehfilm „Nichts wie weg“ spielt Ulrike Kriener die Pianistin Luise, die spürt, dass ihr Gedächtnis sie verlässt, und einen folgenschweren Entschluss fasst. Unterwegs findet sie in der deutlich jüngeren Krankenschwester Anke (Tamara Romera Ginés) eine unerwartete Freundin. Mit SILVlife spricht Ulrike Kriener über die Szene, die sie am meisten bewegt hat, über das, was Familien bei Demenz leisten, und darüber, was sie aus dieser Rolle mitnimmt.

„Zu wissen, das ist das letzte Mal …“

In „Nichts wie weg“ spielen Sie Luise, eine Pianistin, die an Demenz erkrankt. Welche Szene hat Sie beim Drehen am meisten bewegt, und was war für Sie die größte Herausforderung?

Am bewegendsten fand ich die Szene, in der ich meiner Tochter gegenüber auf meinen Weg beharre und mich am Ende von ihr und den Enkelkindern verabschiede. Zu wissen, das ist das letzte Mal, wo ich diese nahen, geliebten Menschen umarme … Das ist unbeschreiblich schmerzhaft.

Ich habe mich meiner Rolle Luise angenähert, indem ich versucht habe zu verstehen, wie es ihr emotional geht. Zu spüren: Ich vergesse oft etwas, ich erinnere mich nicht mehr, meine Umwelt wird mir fremd, Menschen korrigieren mich ständig … Das macht unsicher, ängstlich. Was sicher war, wird unsicher, alles gerät ins Schwimmen. Und gleichzeitig begreift Luise ja noch, welche Erkrankung sie hat. Das war für mich die Basis ihres Zustands, den ich, obwohl wir eine Komödie gedreht haben, immer ernst genommen habe.

Ulrike Kriener und Katrin Röver als Mutter und Tochter im ZDF-Film „Nichts wie weg“
Hannah (Katrin Röver) ist von ihrer Mutter Luise (Ulrike Kriener) zutiefst enttäuscht. Foto: ZDF/Christine Schroeder

Was Familien bei Demenz leisten

Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Demenz. Meist versorgen Angehörige sie zu Hause, die Krankheit betrifft also die ganze Familie. Was hat Ihnen die Rolle darüber gezeigt, was Familien in dieser Zeit leisten?

Die Pflege von Angehörigen ist eine Riesenaufgabe, der man nicht genug Achtung und Respekt entgegenbringen kann. Egal ob es dabei um Demenz geht oder nicht. Und ich denke, dass die Pflege von demenzerkrankten Menschen noch herausfordernder ist. Wichtig ist, dass wir alle mehr Verständnis für diese Erkrankung entwickeln. Die Stiftung „Silviahemmet“ zum Beispiel, die von Königin Silvia gegründet wurde, verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz in der Pflege von Demenzkranken, der auch die Angehörigen einschließt. Die Würde des Erkrankten steht dabei im Mittelpunkt.

Demenz kennen viele Menschen aus der eigenen Familie oder dem Freundeskreis. Wie nah ist Ihnen das Thema auch privat?

Ja, auch in meiner Familie gab es demenzerkrankte Menschen, das Thema ist mir insofern privat vertraut. Aber für die Vorbereitung meiner Rolle musste ich meine eigenen inneren Wege gehen.

Ein Nachmittag bei der Alzheimer-Gesellschaft

Zur Vorbereitung haben Sie einen Nachmittag bei der Alzheimer-Gesellschaft München verbracht. Welche Begegnung ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben? Und wie gehen Sie sonst an eine neue Rolle heran?

Ich habe einen Nachmittag bei der Alzheimer-Gesellschaft verbracht. Wir haben zusammen Pizza gebacken und gegessen. Und ich konnte mit Betroffenen und Helfern sprechen. Das waren meine wichtigsten Gespräche und Vorbereitungen für die Rolle. Die Erfahrungen der ehrenamtlichen Helfer, deren selbstverständlicher, positiver und warmer Umgang mit den Erkrankten hat mich sehr beeindruckt.

Es ist ein phantastisches Privileg meines Berufes, dass ich zur Rollenvorbereitung und auch beim Drehen in die verschiedensten Lebensbereiche eintauchen darf. Und glauben Sie mir, ich nutze das mit Begeisterung. Ob ich den Gabelstaplerführerschein mache, ein Instrument so lerne, dass man es filmisch nutzen kann, und mit den verschiedensten Menschen spreche … Die Vorbereitung ist manchmal die tollste Zeit.

Freundschaft über Generationen

Luise und Anke trennen Generationen, und doch werden sie Freundinnen. Wie bewerten Sie diese Freundschaft?

Ich glaube, dass ein großer Altersunterschied kein Hindernis für eine Freundschaft ist. Sicher sind in jedem Alter verschiedene Lebensthemen wichtig, und sicher kann man da nicht alles teilen. Aber das macht nichts. Es geht doch auch immer darum, wie man miteinander ist. Neugierig, aufmerksam, albern, vorsichtig, ängstlich, übermütig … Wie geht man mit dem Leben und seinen Fragen um? Jedes Alter kann inspirierend sein.

Ulrike Kriener und Tamara Romera Ginés sitzen nebeneinander im Auto
Auf der Flucht werden Luise (Ulrike Kriener) und Anke (Tamara Romera Ginés) Freundinnen. Foto: ZDF/Christine Schroeder

Was von der Rolle bleibt

Was haben Sie persönlich aus dieser Rolle mitgenommen, auch für die Gespräche in Ihrer eigenen Familie?

Die Bestätigung, dass man sich ohne Scheu und früh mit den Themen Verlust, Krankheit und Tod beschäftigen sollte. Natürlich kann man nicht alles planen und vorbereiten. Aber man kann einen Organspendeausweis machen, ein Testament, eine Patientenverfügung. Über die Fragen, die einem dabei gestellt werden, wird man sich über vieles klar. Ich finde das beruhigend.

Und außerdem sollten wir alle auf ältere Menschen achten. Im Supermarkt, in der Straßenbahn, im Café. Viele von ihnen sind einsam. Ich habe mir angewöhnt, Kontakt aufzunehmen. Hier mal ein Lächeln, dort mal ein kleiner Witz und auch Hilfe anbieten. Auf diese Art habe ich schon so interessante Menschen kennengelernt. Und am Ende brauchen wir uns doch alle gegenseitig.

Ulrike Kriener im roten Cabrio, daneben steht ein Esel auf der Straße
Unterwegs trifft Luise (Ulrike Kriener) mitten auf der Straße auf einen Esel. Foto: ZDF/Christine Schroeder

Film-Tipp: „Nichts wie weg“ im ZDF

Der Fernsehfilm „Nichts wie weg“ mit Ulrike Kriener und Tamara Romera Ginés ist ein Jahr lang in der ZDF-Mediathek abrufbar. Im Fernsehen zeigt das ZDF ihn am Montag, 9. November 2026, um 20:15 Uhr.

Quellen

Titelbild: ZDF/Christine Schroeder/[M] MOTOR Kommunikation